Als Fotografin habe ich hellseherische Fähigkeiten entwickelt, die mir dabei helfen, genau im richtigen Moment abzudrücken. Nein, ist natürlich Quatsch! Trotzdem ein paar Tipps wie du den richtigen Moment nicht verpasst.

Klick im richtigen Augenblick

"Der entscheidenden Augenblick" - diesen Begriff hat der französische Fotograf Henri Cartier-Bresson geprägt. Schaut euch seine Fotos auf Pinterest an! Er ist ein Meister darin Momente zum richtigen Zeitpunkt festzuhalten. Richtig heißt hier: ästhetisch ansprechendend. Manchmal ist das Ziel einen bezeichnenden Moment festzuhalten - also den, der den Tag, die Zeit, die Aktion am ehesten repräsentieren kann.

BEOBACHTUNG

slide jumper, 35mm, f/2,8, 1/200Sek., ISO 100

slide jumper, 35mm, f/2,8, 1/200Sek., ISO 100

Dieses Foto von meinem Jüngsten habe ich gestern auf dem Spielplatz gemacht. Eigentlich wollte ich festhalten wie er freudestrahlend am unteren Ende der Rutsche herausgeschossen kommt. Nach dem ersten Rutscher beobachtete ich, wie der Sprung von der Rutsche voller Elan förmlich dazuzugehören schien. Darum trat ich ein paar Schritte zurück, um mehr von der Szenerie einfangen zu können und wartete genau auf diesen Augenblick nach dem zweiten Rutscher. Beobachte das Kind, bevor du losfotografiert! 

Den Blick erweitern

Meine Leuchttürme, 35mm, f/3,5, 1/2000, ISO 80

Meine Leuchttürme, 35mm, f/3,5, 1/2000, ISO 80

Nun ist es mal so, dass der Blick durch das Kameraloch dich ziemlich einschränken kann. Denn du sieht wirklich nur, was durch die Kameralinse auf dem Sensor landet. Wenn du jedoch vorausschauend fotografierst - und die Beobachtungen auf die außerhalb des Kameragehäuses erweitert, kannst du Entwicklungen viel besser abschätzen. Kommt noch jemand durchs Bild gerannt? Von welcher Seite? Wie passt er ins Bild und in die Bildkomposition? Und wann muss ich dazu den Auslöseknopf betätigen? 

Das Bild "Meine Leuchttürme" zeigt einen kleinen Ausschnitt unseres sehr windigen Spaziergangs entlang der Nordseeküste. Wir waren gerade auf dem Rückweg zu den Dünen und diese Beiden trotteten mit etwas Abstand hintereinander her. Den Moment, in dem alle drei - Kind, Mann und Leuchtturm - in einer Reihe formieren würde habe ich schon lang vor dem entstandenen Bild erwartet. Achso - und nicht sauer werden wenn das Bild dann doch nicht so zustande kommt, weil Filius eine Krabbe im Sand gefunden hat und plötzlich wegrennt. Wir sind lediglich Beobachter, nicht Regisseure der Szenerie und müssen flexibel bleiben, wenn alles ganz anders kommt (wie das mit den lieben Kleinen eben so ist :).

Aus dem Bauch heraus

Manchmal geschieht das festhalten von Augenblicken ganz intuitiv - und auch das ist OK so. Ich persönlich verstehe unter Intuition die Entscheidung aus dem Bauch heraus. Persönliche Vorlieben, Gelerntes, Geliebtes drücken sich auf ganz unmittelbare Weise aus und beschließen: "Das ist jetzt der richtige Moment, um den Auslöser zu betätigen".

Im Übrigen sei noch der Hinweis erlaubt, dass auch Intuition trainierbar ist - in dem man einfach oft und viel fotografiert. Und das führt uns zum nächsten Punkt.

Die ganze Miete: Kamera an Bord

Viele Momente werden an dir vorüberziehen, die es sich - sowohl ästhetisch als auch bezeichnend und merkenswert -  lohnt festzuhalten. Aber: Die beste Kamera und der ausgeprägteste Sinn für den richtigen Zeitpunkt nutzt dir nichts, wenn das gute Stück in der Kommode des Schlafzimmers liegt. Gerade wenn du deine Kinder und ihren Alltag festhalten möchtest, sollte sie stets griffbereit sein.

Apfelschnitzen, Wasserflasche, Sonnencreme - alles dabei? Nimm die Kamera mit!

Ich fotografiere übrigens genau aus diesem Grund nicht mit einer professionellen Vollformatkamera! Und zum Großteil mit Festbrennweite (35mm/50mm) - da ist das Objektiv schön klein und leicht. Ich weiß genau, dass ich meine Kamera nie mitnehmen würde, wenn ich 5 kg mehr im Gepäck hätte. Auspacken, mitnehmen, fotografieren - viel Spaß dabei!

 

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